So erstrebenswert die sogenannte Energiewende auch sein mag, der Bau, der Betrieb und letztendlich auch die Wartung dieser Anlagen werfen Fragen auf, denn die Auswirkungen von Offshore-Windparks auf die Meeresnatur und -umwelt sind noch nicht gänzlich erforscht:
Wie reagieren See- oder Zugvögel auf die teils mehr als 150m hoch aufragenden Anlagen, was tut sich am Meeresboden und wie störend nehmen Wale und Fische den Baulärm eigentlich wahr?
Der unter Artenschutz stehende Schweinswal, der „Flipper“ der Nordsee, bevorzugt als Lebensraum ruhige Küstenbereiche von etwa 20 Metern Tiefe. In der südlichen Nordsee und damit auch im Einzugsbereich und Baugebiet dänischer und deutscher Offshore-Windkraftanlagen liegt die Kinderstube der Schweinswale, von denen es noch etwa dreihunderttausend Stück gibt.
Beim Bau von Windkraftanlagen werden für jedes Windrad vier gigantische Stahlrohre etwa 50 Meter tief mit einem speziellen Hammer in den Meeresboden gerammt. Sie bilden das notwendige stabile Fundament einer Anlage. Dieser Rammvorgang dauert Stunden oder Tage, und es sind zwischen zehn- und zwanzigtausend „Hammerschläge“ pro Fundament nötig. Dabei entsteht unter Wasser bei jedem Schlag ein enormer Lärm, der sich in einem weiten Radius rund um die Baustelle ausbreitet.
Um diese Lärmbelastung zu verringern und den strengen Genehmigungsauflagen für Offshore Windparks zu genügen werden immer neue Techniken zum Schallschutz während der Bauphasen entwickelt.
Von den Befürwortern der erneuerbaren Energien wird oft übersehen, dass die von den Windkraftanlagen erzeugte Energie auch transportiert werden muss. Die Stromkabel, die von den Offshore Anlagen wegführen, erzeugen während des Betriebs nicht nur Wärme, sondern auch elektromagnetische Felder am Meeresboden. Untersuchungen in Großbritannien ergaben, dass diese elektromagnetischen Felder das Jagdverhalten und die Orientierung von Fischen wie Haien und Rochen beeinflussen können. Auch Aale werden auf ihrer Wanderung zu den Flussmündungen vom rechten Weg abgebracht. An dieser Thematik und den konkreten Zusammenhängen wird zur Zeit allerdings noch geforscht.
Die Nutzung erneuerbarer Energien hat aber nicht nur unter, sondern auch über Wasser Auswirkungen, denn die Offshore Windparks in Nord- und Ostsee liegen im Zentrum einer gigantischen Flugreiseroute: Zweimal jährlich überqueren Millionen und Abermillionen von Vögeln das Meer, um von ihren Brutgebieten in ihre Winterquartiere und zurück zu gelangen. Umweltschützer befürchten nicht nur, dass ungünstig geplante Offshore Windkraftanlagen Barrieren darstellen könnten, die den Vögeln ihre Flugrouten versperren. Auch das Risiko des Vogelschlags wird vor allem in der Öffentlichkeit heftig und kontrovers diskutiert, nicht zuletzt weil aufmerksame Spaziergänger immer wieder tote Vögel auffinden, die unter einer Windkraftanlage liegen.
Bei den Zugvögeln unterscheidet man sogenannte Tagzieher und Nachtzieher. Tagzieher sind Vogelarten, die auf dem Wasser landen können, wie z.B. Enten und Gänse. Nachts oder wenn es einen Schlechtwettereinbruch gibt, lassen sie sich auf dem Wasser nieder, bei guter Sicht und tagsüber umfliegen sie Beobachtungen zufolge die Offshore Windkraftanlagen. Landvögel wie Drosseln und Finken können dagegen nicht auf dem Wasser landen, sie müssen das Meer non stop überqueren. Bei gutem Wetter fliegen sie in einer Flughöhe, die deutlich über den Turbinen liegt und sind nicht gefährdet, aber bei schlechtem Wetter, Nebel oder Regen, fliegen sie tiefer und können dadurch tatsächlich in die Windräder geraten. Eine geeignete Beleuchtung oder auch einfach im Bedarfsfall eine vorübergehende Abschaltung der gesamten Anlage könnte dem vorbeugen, empfehlen Experten. Eine zu starke Beleuchtung wiederum kann dazu führen, dass die Landvögel beim nächtlichen Zug über das offene Meer abgelenkt werden und versehentlich in die Anlage hineinfliegen. Experten raten daher dazu, die Beleuchtung der Anlagen während der Zeiten des Vogelfluges entsprechend anzupassen. Aufwändige Untersuchungen mit Radar und Infrarotkameras in dänischen und schwedischen Windparks haben gezeigt, dass Zugvögel tags und nachts im Allgemeinen gut auf die Anlagen reagieren und ihnen ausweichen und es kaum zu Kollisionen kommt.
Vogelforscher empfehlen dennoch, Offshore Windkraftanlagen möglichst abseits von Zugrouten und weit entfernt von der Küste zu bauen.
Andere Vogelarten jedoch meiden die Gebiete rund um die Offshore Anlagen weiträumig und verlieren damit große Bereiche ihres Lebensraumes: Seetaucher, Basstölpel, Trauerente, Tordalk und Trottellumme beispielsweise entfernen sich bis zu vier Kilometer weit vom bebauten Bereich.
Möwen dagegen scheinen Opportunisten zu sein, was Windkraftanlagen angeht; Mantelmöwen, Zwergmöwen, Fluss- und Küstenseeschwalben sind in der Region rund um die Turbinen sogar häufiger anzutreffen als vor dem Bau.
Mehr als zwei Drittel des gesamten Seetaucherbestandes der deutschen Nordsee sammeln sich jedes Frühjahr in der Deutschen Bucht im Bereich des Sylter Außenriffs. Um zu verhindern, dass die Nutzung erneuerbarer Energien dort zu einem noch größeren Lebensraumverlust führt als schon gegeben und um die beiden Seetaucherarten nicht zu gefährden wird es in diesem Gebiet wohl keine Baugenehmigungen für weiteren Offshore Anlagen mehr geben.
Interessanterweise sind die Beobachtungen bei manchen Vogelarten auch uneinheitlich. So legen Kormorane eine unterschiedliche Herangehensweise an Windkraftanlagen den Tag, je nachdem ob sie sich auf längeren Reisen befinden oder nicht.
Beruhigend ist eine Studie, die von der schottischen Regierung beauftragt wurde und der zufolge 99% aller Seevögel einer Windkraftanlage ausweichen, um eine Kollision zu vermeiden.
from Rolf Hinrichs Blog https://rolfhinrich.wordpress.com/2017/04/15/windkraft-auf-hoher-see-offshore-anlagen-und-ihre-nebenwirkungen/
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